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Reitagogik

Die Reitagogik ist ein tiergestützter pädagogischer Arbeitsansatz, der mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit und ohne Behinderungen angewandt werden kann. Die Reitagogik basiert auf Elementen und Grundsätzen der Erlebnispädagogik und des heilpädagogischen Reitens.

 

Ziele 

- Förderung der individuellen Fähigkeiten des Menschen

- seine Persönlichkeitsentwicklung

- sein Erleben im Umgang mit dem Pferd

 

Partner Pferd

Das Pferd ist ein Herdentier. Es ist uns ähnlich, weil es in sozialen Verbänden und familienähnlichen Gruppen lebt. In der Herde herrscht eine klare Hierarchie, die dem Ueberleben von jedem einzelnen Mitglied dient. Um in der Freiheit zu überleben, braucht es absolute Klarheit über die Rangfolge und Klarheit wiederum gibt Sicherheit.

 

Pferde haben partnerschaftliche Eigenschaften und mögen Zuwendungen wie Anerkennung, Akzeptanz, Wertschätzung, Körperkontakte. Pferde sind aber von ihrer Art her Fluchttiere. In Situationen, die ihnen unsicher oder gar gefährlich scheinen, zeigen sie uns das, in dem sie sich abwenden, scheuen, Widerstand leisten oder drohen.

 

Pferde haben Gefühle, wie wir Menschen. Sie nehmen ihre Umgebung über ihre Seele und das Nervensystem wahr. Sie reagieren 1 : 1 auf Reize, die sie aufnehmen und sind diesen Reizen ausgeliefert, weil sie kein Selbstbewusstsein haben, welches ihnen das Denken, Reflektieren und Planen ermöglicht. Das Pferd ist immer im Hier und Jetzt. Als instinktives und triebgeleitetes Naturwesen ist das Pferd in den natürlichen Rhythmus eingeordnet und der Umgang mit dem Pferd verbindet den Menschen mit der natürlichen Ordnung. Das verstärken wir, in dem wir bei jedem Wetter und zu allen Jahreszeiten draussen sind.

 

Das Pferd spricht den Menschen ganzheitlich an (Köper, Vernunft, Gefühle, Seele) und bringt ihn damit mit sich selber in Kontakt.

 

Beziehung Mensch - Pferd

Als Basis der reitagogischen Arbeit dient die Beziehung zwischen Mensch und Pferd. Pferde kommunizieren nonverbal und haben eine ausgeprägte Köpersprache. Der Mensch kann das Befinden des Pferdes an dessen Verhalten, Gestik und Mimik erkennen. Das Pferd verhält sich immer aufrichtig, eindeutig und klar. Es manipuliert nie, kann jedoch spielerisch sein.

 

Das Pferd nimmt Stimmungen seines Gegenübers ganz genau wahr und spiegelt das Verhalten des Menschen wieder. Das Pferd verlangt vom Menschen, dass er sich ganz auf das Pferd einlässt und seine Gefühle kongruent sind. Dem Menschen ist es möglich, sein Verhalten anzupassen, weil ihm die unmittelbare Erfahrung von Ursache und Wirkung deutlich wird.

 

Zwischen Mensch und Pferd entsteht ein Vertrauensverhältnis, wenn der Mensch sich nicht wie ein Raubtier verhält und dem Pferd zeigt, dass er sein ranghöherer Freund ist. Das Pferd will sich beim Menschen sicher fühlen können. Es fordert vom Menschen Durchsetzungsvermögen und Führung. Der Mensch andererseits lernt sich dem Pferd, das ihm an Körpermasse und -stärke weit überlegen ist, anzuvertrauen. Er darf sich hingeben, loslassen und sich getragen fühlen. Berührung und Wärme des Pferdes helfen dem Menschen, seinen eigenen Körper bewusster wahrzunehmen.

 

Einsatzmöglichkeiten der Reitagogik

- Förderung der sozialen Kompetenzen (Beziehungs- und Kommunikationsfähigkeit, kooperatives Verhalten)

- Förderung des Durchsetzungsvermögens

- Förderung des Selbstwertgefühls

- Schulung des Wahrnehmungsvermögens

- Schulung des Körperbewusstseins und der motorischen Koordinationsfähigkeit

 

Der Mensch findet im STIGBÜGEL ein Klima vor, das einen angstfreien Umgang mit dem Pferd erlaubt und ihm die Möglichkeit gibt, positive und negative Erfahrungen zu machen. Er wird angeregt, nach eigenen Lösungen zu suchen, eigene Entscheidungen zu treffen und er lernt, Selbstverantwortung zu tragen. Etwas Zentrales ist die eigene Sicherheit. Der Mensch wird im Umgang mit dem Pferd aufgefordert, seinen Möglichkeiten entsprechend ,für seine eigene Sicherheit zu sorgen.

 

Zielgruppen

- Kinder und Jugendliche mit Verhaltensauffälligkeiten, Hyperaktivität, Beziehungs-, Entwicklungs- und Wahrnehmungsstörungen

- Menschen mit psychischen Erkrankungen

- Menschen mit Suchtproblemen

- Menschen mit geistiger Behinderung oder Lernschwächen

- Menschen mit Beeinträchtigungen im Seh-, Hör-, und Sprachvermögen

 

Einzelunterricht

 

Agogische Begleitung und Betreuung

Gemeinsam mit ReitschülerIn und Bezugsperson werden individuelle Zielsetzungen festgehalten. Im regelmässigen Austausch werden die Ziele überprüft, damit der Transfer der neuen Erfahrungen in den Alltag unterstützt werden kann.

 

Inhalte

- Kontaktaufnahme mit dem Pferd im Stall, an der Anbinde, auf der Weide

- Pferde pflegen und führen

- Reiten auf dem geführten Pferd oder selbständig (Wald / Sandplatz)

- Balance- und Körperwahrnehmungsübungen, Geschicklichkeitsspiele

 


Angebote und Projekte für Gruppen

In Zusammenarbeit mit Fachleuten aus der Erlebnis- und Naturpädagogik bieten wir für Gruppen (Schulen, soziale Einrichtungen, Teams/Betriebe, Auszubildende, Vereine, Freizeitgruppen, etc) erlebnispädagogische Workshops und Lager an. Bei Bedarf können Fachleute aus den Bereichen Psychologie/Therapie und Körperarbeit zugezogen werden.

In der Vorbereitungsphase besprechen und bestimmen wir gemeinsam mit dem/der AuftraggeberIn die Themen (Belastungen in Alltagssituationen, Gruppenbildung, Umgang mit Konflikten, etc.) und definieren die Ziele. Die Methoden und Medien ergeben sich aus unseren Ressourcen. Nebst der Arbeit mit den Pferden kann das Outdoor-/Waldleben, kochen auf dem Feuer, Bogenschiessen (vom Boden und vom Pferd), Feuertechniken, kreative Gestaltungen mit Naturmaterialien, etc. sein.

Auf Wunsch findet nach Abschluss des Workshops/Lagers mit den TeilnehmerInnen eine Nachbearbeitung statt, die es ermöglicht, die neuen Erfahrungen nachhaltig in den Alltag zu transferieren.

 

siehe auch Freizeitreiten / Angebote und Projekte für Gruppen

Kontaktieren Sie mich, um Ihre Wünsche und Vorstellungen zu besprechen!


Pressetexte:

"Auch eine Blinde möchte gerne reiten"; Thurgauer Zeitung, 10.7.2013